Fehlersuchtabelle für den Ladestromkreis

Diese Seite ist zum größten Teil das Resultat der Erfahrung von Ritzo Muntinga, Chef von Electrex USA.

Das Ziel ist, ein klares Prüfschema aufzustellen und damit zu bestimmen, welches Teil defekt ist. Allzuoft kommt jemand zu der Erkenntnis (ja, das passiert sogar Händlern), daß der Stator gestorben ist. Also Stator ausgetauscht, und das war's. Wahrscheinlich gibt es in der nächsten Zeit wieder Ärger mit dem Stator, und die Schlußfolgerung wird sein: Alle Statoren dieses Herstellers taugen nichts, während der wahre Grund ein defekter Gleichrichter/Regler war.

Bevor Du weiterliest, sieh Dir erstmal Aufbau und Wirkungsweise von Lichtmaschinen an Motorrädern an, was Dir die Theorie etwas näherbringt.

Wenn Du eine Frage hast, deren Antwort hier nicht steht, oder Kommentare und Ergänzungen, schreibe mir einfach: Reiner Kremzow

WARNUNG:
Diese Test-Tabelle setzt voraus, daß der Benutzer die grundlegenden Begriffe der Elektrotechnik kennt (Du solltest den Unterschied kennen zwischen Strom, Spannung und Widerstand) und Kenntnis hat von einfachen Schaltungen an Motorrädern. Falls Du diese Kenntnis nicht hast und auch keine Erfahrung, finde jemanden, der sie hat, und mit dessen Hilfe Du diese Tabelle abarbeiten kannst. Das schützt Dich vor Schaden an Dir selbst, Deinem Motorrad und evtl. Deinem Haus.
Das Risiko zur Benutzung dieser Tabelle liegt völlig bei Dir. Wir übernehmen keine Haftung für eventuell entstehende Schäden. Im Zweifelsfall: Nutze Deinen Kopf!

Anwendungsbereich
Diese Prüf-Tabelle ist eigentlich für die luftgekühlten Suzuki-GS-Modelle geschrieben. Wenn die Bezeichnung Gleichrichter/Regler durch Gleichrichter ersetzt wird, funktioniert sie in diesem Bereich auch für die GT-Modelle. Die (korrekte) Funktion des Reglers wird dann aber etwas anders ermittelt (kommt später).

Los geht’s
OK, nachdem wir diese Grundsätzlichkeiten geklärt haben, können wir anfangen.

  • Zunächst: Lade die Batterie bis zum Rand auf. Wenn die Batterie krank und halb leer ist, kannst Du völlig unerwartete Meßergebnisse erhalten. Ersetze sie wenigstens während der Messung durch eine bekannt gute Batterie aus einem anderen Motorrad, dessen Ladestromkreis funktioniert. Verwende einen Säureprüfer, um sicherzustellen, daß die Batterie OK ist. Wenn Du keinen hast: jede Tankstelle kann das für Dich tun.

  • Verwende ein genaues (digitales) Vielzweck-Meßinstrument. Die kleinen Dinger für 10 DM taugen nichts, aber wenn Du was von Elektrik verstehst, sind das keine Neuigkeiten für Dich.

  • Alle Diagnosen stehen auf gelbem Hintergrund.
  • Zusatz für GT-Lichtmaschinen:
    Falls der Ladestromkreis Unterfunktion hat: rechten Kurbelwellendeckel ab, Kohlehalter abschrauben (Vorsicht! Falls eine Kohlebürste ausgelötet hat, findest Du sie unter Umständen nie wieder! Also gegen Federdruck vorsichtig abnehmen!)

  • Kohlen zu kurz: neuen Kohlehalter einsetzen (etwa 20 DM, Glück gehabt. Tip: es passen bestimmte Kohlen von Staubsaugermotoren! Die sind erheblich billiger!)
  • Kohlen lang genug:
    Kohlehalter ohne grüne Leitung wieder anschrauben (Isolierstück für Ringöse der grünen Leitung trotzdem nicht vergessen!)
    Meßinstrument auf kleinsten Widerstands-Meßbereich schalten, unten auf die Anschlußschraube halten und oben an den Punkt, den das Isolierstück isoliert - sollte etwa 3 bis 5 Ohm zeigen. Bei unendlichem Widerstand: Rotorwicklung kaputt (durchgebrannt) oder Schleifringe glasiert.
  • Widerstand OK: Meßbereich Strom (etwa 5 Ampère), rote Meßleitung an die freischwebende Ringöse der grünen Leitung halten, schwarze Leitung an den Punkt, den das Isolierstück isoliert - Zündung einschalten. Es sollten etwa drei bis vier Ampère fließen.
    Von Helfer Motor starten lassen und bis etwa 5000 Upm drehen. Strom sollte deutlich geringer werden.
  • Grüne Leitung wieder anschrauben (mit dem besagten Isolierstück!)

    Die eigentliche Tabelle gilt für den Gleichrichter, falls bis hierhin alles in Ordnung war.

  • Start

    Schalte das Multimeter auf DC Volts. Wähle einen Bereich bis 20 oder 50 Volt. Verbinde die Multimeter-Leitungen mit den Batterie-Polen. Starte den Motor und drehe ihn auf etwa 2500 Upm. Prüfe die Batteriespannung. Höher als 13,5 V

    Drehe den Motor auf 5000 Upm. Lies die Anzeige ab.

    Weniger als
    14,8 V

    Gratuliere! Das Ladesystem ist perfekt in Ordnung. Du kannst aber immer noch alle Verbindungen lösen und mit Kontaktspray behandeln. Das kann Probleme in der Zukunft verhindern.
    Weniger als 13,5 V
      Höher als 14,8 V
       
    Motor im Leerlauf. Verbinde die schwarze Meßleitung mit Batterie-Plus (+). Verbinde die rote Meßleitung mit dem roten Gleichrichter-Ausgang. Anzeige ablesen. Motor im Leerlauf lassen! mehr als
    0,2 Volt
    Schlechte Verbindung in der Ladeleitung vom Gleichrichter zur Batterie. Prüfe die gesamte Verbindung, besonders auch den Sicherungskasten und die Sicherungen. Gute Verbindungen sind extrem wichtig in diesem Hochstrom-Stromkreis. Behebe das Problem und fange von vorn wieder an.
    Weniger als 0,2 Volt
       
    Verbinde die rote Meßleitung mit dem Minuspol der Batterie. Verbinde die schwarze Meßleitung mit dem Masseausgang des Gleichrichters (schwarz/weißer Draht), lasse ihn aber angeschlossen. Findest Du keine Masseleitung, ist das Gehäuse die Masse. Anzeige ablesen. Motor im Leerlauf lassen. mehr als
    0.2 Volt
    Schlechte Verbindung von der Masseleitung des Gleichrichters zum Minuspol der Batterie. Prüfe die gesamte Leitung zur Batterie. Falls der Gleichrichter keine besondere Masseleitung hat sondern die Verschraubung am Rahmen als Masseleitung nutzt, reinige die Gegend um die Verschraubung und verwende neue Schrauben. Prüfe auch die Masseleitung der Batterie zum Rahmen. Habe auch ein Augenmerk auf die Grundplatte, auf der der Gleichrichter montiert ist. Manchmal ist sie auf Schwinggummis befestigt und verwendet eine eigene Masseleitung. Löse alle verdächtigen Verbindungen und reinige sie. Beste Lösung: Verbinde die Masse des Gleichrichters direkt mit dem Minuspol der Batterie mittels einer extra Leitung. Behebe das Problem und beginne von vorn.
    Weniger als 0,2 Volt
       

    Test Phase

    B

    Beachte Folgendes:
    Bei den GTs sind alle drei Drehstromleitungen aus dem Stator und zum Gleichrichter gelb. Bei den GS-Modellen haben sie unterschiedliche Farben. Der einzige Grund dafür ist, Verwirrung zu stiften, denn alle drei Leitungen haben die gleiche Ausgangsleistung. Die Farben sind: gelb, weiß/blau und weiß/grün. Auf der Gleichrichterseite sind die Farben: gelb, weiß/blau und weiß/rot. Denke einfach, sie seien alle gelb und fahre mit den Tests unten fort.

    Schalte den Motor aus. Ziehe die Leitungen vom Stator ab. Schalte das Multimeter auf Ohm, kleinster Bereich. Verbinde die Meßleitungen mit jeweils zwei der drei gelben Adern. Anzeige ablesen. Miß zwischen zwei anderen gelben Leitungen und lies wieder ab. Du brauchst drei Ablesungen.

    Eine der Messungen zeigt weniger als 0,5 Ohm oder mehr als 2 Ohm.

    Schlechte Neuigkeiten.

    Der Stator ist defekt. Austauschen und oben neu beginnen.

    Alle Ablesungen waren zwischen 0,5 und 2,0 Ohm

     

    Verbinde eine der Meßleitungen mit einer der gelben Leitungen und die andere Meßleitung mit dem Motorgehäuse. Anzeige ablesen. Die Gehäuseverbindung muß gut sein!

    Jede Anzeige zwischen 100 und 0 (Null) Ohm

    Unendlicher Widerstand (keine Anzeige oder OL im Display)

     

    Schalte das Multimeter auf AC (Wechselstrom), Bereich etwa 100...250 Volt. Auf keinen Fall auf DC (Gleichstrom) schalten! Verbinde die Meßleitung mit zwei der drei gelben Stator-Leitungen, starte den Motor und drehe ihn kurz bis etwa 5000 Upm. Anzeige ablesen. Führe die Ablesung mit den anderen gelben Adern durch (insgesamt drei Messungen).

    Die drei Messungen sind nicht gleich, oder eine von ihnen liegt unter 60 Volt Wechselspannung.

    Drei gleiche Messungen, alle höher als 60 Volt

       

    Test Phase

    C

    Gleichrichter abtrennen. Das Meßgerät auf Diodentest schalten. Verbinde die rote Meßleitung mit der roten Ausgangsleitung des Gleichrichters und die schwarze Meßleitung mit einer der gelben Adern. Ablesen. Für jede der gelben Adern wiederholen.

    Anzeige von 1,00 V oder weniger für alle drei Tests.

    Noch schlechtere Nachrichten.

    Regler/Gleichrichter ist defekt. Austauschen und von vorn beginnen.

    Dein Meßergebnis ist 1,5 Volt oder höher bei allen drei Tests

     

    Verbinde die schwarze Meßleitung mit der roten Ausgangsleitung des Gleichrichters und die rote Meßleitung mit einer der gelben Adern. Ablesen. Für jede der gelben Adern wiederholen

    Dein Meßergebnis ist unter 0,2 oder über 1,0 Volt oder höher bei einem einzelnen Test

    Dein Meßergebnis ist etwa 0,5 Volt bei allen drei Tests

     

    Verbinde die schwarze Meßleitung mit der schwarz/weißen Ausgangsleitung des Gleichrichters und die rote Meßleitung mit einer der gelben Adern. Ablesen. Falls es keine schwarz/weiße Ausgangsleitung gibt, benutze das Gehäuse. Für jede der gelben Adern wiederholen

    Dein Meßergebnis ist unter 1,0 Volt oder niedriger bei einem einzelnen Test

    Dein Meßergebnis ist 1,5 Volt oder höher bei allen drei Tests


     

    Verbinde die rote Meßleitung mit der schwarz/weißen Ausgangsleitung des Gleichrichters und die schwarze Meßleitung mit einer der gelben Adern. Ablesen. Falls es keine schwarz/weiße Ausgangsleitung gibt, benutze das Gehäuse. Für jede der gelben Adern wiederholen

    Dein Meßergebnis ist unter 0,2 oder über 1,0 Volt oder höher bei einem einzelnen Test

    Dein Meßergebnis ist etwa 0,5 Volt bei allen drei Tests

       
    Das war der letzte Test. Das einzige, was jetzt noch defekt sein kann, ist die Batterie. Ersetze sie durch eine gesunde, voll geladene und beginne die Tests von vorn.

    Verwandter Lesestoff:
    Lichtmaschinen - Aufbau und Wirkungsweise
    (sollte man zuerst gelesen haben, weil es den Aufbau und die Funktion von Lichtmaschinen erklärt)



    Quelle: Electrex USA,
    Zulieferer von Lichtmaschinenteilen „besser als die Originale“
    Übersetzung: Reiner Kremzow
    mit freundlicher Genehmigung des Autors Ritzo Muntinga


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