Erfahrungsberichte/Kommentare...

...zu den auf diesen Seiten vorgestellten kontaktlosen Zündanlagen


Kommentar von Mario Fockenbrock:

„Was den Bericht über die Zündanlagen betrifft: Gunnar sollte erst mal beide Zündungen einbauen und dann berichten. Ich habe beide Anlagen derzeit in Betrieb und kann sagen: es gibt eigentlich keinen Unterschied. In der Theorie ist natürlich die separate Einstellung der Pick-ups den auf 120° montierten überlegen, jedoch habe ich bei den fest montierten den Vorteil, daß die Zündung wirklich in einem 120°-Abstand erfolgt und damit gleichmäßig ist.

Das bedeutet zwar, daß der einzelne Zylinder unter Umständen nicht den richtigen Zündzeitpunkt hat (vorausgesetzt, die Welle ist nicht exakt), aber dies bedeutet doch nur etwas weniger oder mehr Leistung auf dem einzelnen Zylinder - mögliche thermische Probleme mal außen vor. Bei separat Einstellbaren kann ich diese zwar auf den für den jeweiligen Zylinder exakten Zeitpunkt festlegen, jedoch bekomme ich, falls die Welle nicht stimmt, ungleichmäßige Zündabstände, und dies führt eher zu einem unrunden Motorlauf als zu viel oder zu wenig Leistung. Im Übrigen reden wir hier von Toleranzen im 2°-3° Bereich, und dieses gibt Suzuki als Einstelltoleranz schon an. Falls Abweichungen darüber liegen, sollte man die Welle eh zu Bernie (Bernd Braun, d. Red.) schicken, da die Folgen ansonsten eh nicht absehbar sind.

Was denn Einbau angeht, so gebe ich Gunnar Recht: man muß für die Boyer eine neue Platte anfertigen. Wir haben uns seinerzeit für einen Ring mit Absatz nach innen entschieden, in den die Kontaktplatte eingelegt wird. Wenn man die Löcher dieses Ringes entsprechend anordnet, reichen einfache Bohrungen (auf dem inneren Teil des Rings mit Gewinden versehen). Die Einstellung erfolgt mit den auf der Kontaktplatte vorhandenen Langlöchern.

Was den schweren Eingriff in den Büffelkabelbaum angeht, muß ich sagen, dieser ist nicht notwendig (wie man an meiner sehen kann). Kontaktplatte raus, Kabelstrang bleibt drin. Neue Kontaktplatte rein und die Adern der Kontaktplatte mit zwei Adern des verbliebenen Strangs über Schrauben verbinden, das geht dank gegabelten Kabelschuhen, aber isolieren nicht vergessen und Farben merken (Empfehlung: blau auf weiß und grün auf schwarz). Unter linkem Seitendeckel Stecker des Kabel, das von der Kontaktplatte kommt, abziehen und die beiden Adern von der Zündbox auf zwei der drei Kontakte dieses Steckers schieben (hier ist es hilfreich und gut, wenn man sich die Farben gemerkt hat). Geht aber nur, wenn die Adern schon Kabelschuhe haben, sonst erst welche draufklemmen. Dann zieht man den Stecker für die Zündspulen ab und setzt auf drei der Laschen die Adern, in denen die Dioden sitzen, das sind diese Adern, die wie eine vollgefressene Schlange aussehen, und stecke diese auf drei der vier Laschen. Hierbei wieder ein Hinweis zur Adernfarbe, nur die Laschen der schwarzen, weißen und schwarz-weißen Adern benutzen. Die blaue Ader ist seit Einführung der Ganganzeige ohne Funktion und diente für die Leerlaufanzeige (tut sie auch heute noch, d. Red.). So bleibt nur noch Strom und Masse, und dies überlasse ich jedem Einzelnen.

Diese Art des Anschlusses hat den Vorteil, daß man jederzeit innerhalb von Minuten auf kontaktgesteuert zurückrüsten kann.

Im Großen und Ganzen gebe ich aber keiner Anlage einen Vorsprung. Newtronic: einfacherer Einbau, Boyer: einfacher einzustellen. Funktionieren tun sie beide. Und letztendlich entscheidet der Preis und die handwerklichen Fähigkeiten.”


Kommentar von Robert Schrenk:

„Was Gunnar zu der Boyer-Bransden-Zündung schreibt, kann ich nicht ganz teilen - ich habe selbst schon so etwa 10 Stück montiert. Außerdem ist das Befräsen der Grundplatte nicht nötig, mit einer ganz normalen Metallfeile ist man bei dem weichen Material in 5 min. fertig mit der Glättung der diversen Noppen, die zu der Unterbrecherführung gehören. Auch das Loch in der Mitte der Grundplatte muß mit einer Halbrundfeile größer gefeilt werden. Nochmals: gaaaaanz weiches Metall, feilt sich wie Butter!

Die Meldung, die fix vorgegebene 120°-Teilung der Zündfolgen ist so schlecht, kann ich in den Bereich des ganz Marginalen verweisen - wenn die Kurbelwelle tatsächlich so stark ungenau verpresst ist, ist das wohl das kleinste Übel und ist in der Leistung wahrscheinlich nicht messbar ein Nachteil.

Das mit dem dreimal Feuern hat einen anderen Hintergrund - die drei Geberspulen sind nämlich in Reihe geschaltet, das heißt, daß sie in Verbindung mit den drei Magneten einen „geometrisch-elektrischen” Ausgleich haben und die Genauigkeit der Positionierung der drei Spulen, der Magneten etc. untereinander sich aufheben und so die genaue 120°-Teilung erst möglich wird!

Das dreimalige Feuern ist kein Nachteil - wir (mein Onkel und ich) haben eine Versuchsanordnung aufgebaut, und die Zündspulen sind derart schnell wieder „gesättigt”, daß selbst bei dreimal Zünden pro Umdrehung Störungen (Funkenschwächen) erst bei zig-tausend Umdrehungen auftauchen würden.

Moosham 2001:
Requiem für eine Boyer

Auch bei Spannungsabfall bis etwa 5-6 Volt arbeitet die Zündung noch tadellos, danach wird es aber eng. Ich sehe die Einstellerei bei der Lichtschrankengeschichte, noch dazu bei Licht nicht möglich, für jede Dose einzeln eher als Nachteil und als Fehlerquelle.

Die Boyer-Bransden-Zündungen hab ich mir immer direkt vom Werk schicken lassen, war super easy (Credit Card Mail Order, Zündung in 4 Tagen in der Post), leider durch das teure Pfund früher viel billiger gewesen als heute!

Eines gebe ich zu: die Boyer ist eine minimalistische Lösung! Und das Beispiel Moosham 2001 (siehe Bild) zeigt: kann auch kaputt gehen! Aber: Sie ist so billig, daß man ruhig eine in Reserve kaufen kann, und führt die Black Box halt mit. Die Japan-Stecker gibt's nämlich auch zu kaufen, für unsere Professionalisten.”



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